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Bikepacking · Tirol & Südtirol · 3 Etappen

Bett

Gravel Getaway Südtirol & Zillertaler Alpen

Drei Tage, drei Highlights: mit dem Gravelbike von Innsbruck über die Brenner Grenzkammstraße, das Pfitscherjoch und das Geiseljoch bis nach Lenggries.

Unterwegs im

Gravelstraße am Brenner Grenzkamm, die sich über herbstlich braune Bergrücken zieht

Drei Tage, drei Highlights: die Brenner Grenzkammstraße hoch über Südtirol, das Pfitscherjoch hinüber ins Zillertal und das Geiseljoch, über das es durch die Tuxer Alpen geht. Die Route: Innsbruck – Stein im Pfitschertal – Weidener Hütte – Lenggries.

Gravelbike am Heckträger des grünen Fernbusses

Tag 1: Über den Brenner Grenzkamm

Noch ein sonniges Wochenende, also nichts wie raus. Gleich am ersten Tag wartet das erste Highlight: die Brenner Grenzkammstraße. Bevor sie dich belohnt, musst du sie dir allerdings verdienen, denn der Weg hinauf ist mühsam. Umso besser schmeckt die Pause auf der Sattelbergalm. Ein Teller leckere Pasta – genau das, was du vor dem nächsten Anstieg brauchst.

Penne mit Tomatensoße und geriebenem Käse auf der Sattelbergalm

Und dieser Anstieg hat es in sich. Nach der Alm wird es richtig steil, so steil, dass selbst die Leute auf ihren Fullys nicht alles durchfahren. Ein kleiner Trost, als ich selbst absteige und ein paar Mal schiebe.

Dann bist du oben. Vor dir die Gipfel, unter dir die Gravelstraße, die sich leicht wellig am Grenzkamm entlangzieht, immer an der alten Grenze zwischen Österreich und Italien entlang, über herbstlich braune Bergrücken, so weit du schauen kannst. Und kaum ein Mensch weit und breit – ein echtes Gravelparadies. Spätestens hier ist jeder geschobene Meter vergessen.

Bepacktes Gravelbike an einem Wegweiser am Grenzkamm, dahinter Berggipfel

Die Straße stammt aus den 1930ern, damals als Militärstraße gebaut. Steinpfosten säumen den Weg, ab und zu stehen alte Bunker und verlassene Betonbauten am Rand. Heute rollst du hier ganz friedlich mit dem Gravelbike entlang und kommst trotzdem ins Grübeln, wofür das alles einmal gedacht war. Wenn es dich genauso packt: Die Geschichte Südtirols ist einen tieferen Blick wert.

Alte Militärstraße am Grenzkamm mit Steinpfosten und einem verlassenen Betonbau

Irgendwann endet der Grenzkamm in einer schnellen Gravelabfahrt hinunter nach Sterzing. Ein Blick auf den Zwölferturm in der Altstadt, dann geht es noch hinter ins Pfitschertal, bis ganz ans Ende. Und das zieht sich: Das letzte Stück bis zur Unterkunft ist eine ziemliche Plackerei, und ich gebe zu, dass ich dabei das eine oder andere Mal fluche. Dabei liegt es nicht an der Straße: Das ist ganz normaler, gut fahrbarer Asphalt. Ich bin nach diesem Tag einfach richtig durch.

Der Zwölferturm in der Altstadt von Sterzing

Mein Bett für die Nacht steht im Gasthof Stein: eine einfache Unterkunft mit netten Gastgebern, und mein Rad darf in der Holzgarage schlafen. Nach 102 Kilometern und über 2.600 Höhenmetern brauchst du nicht mehr.

Gravelbike in der Holzgarage des Gasthofs Stein

Tag 2: Pfitscherjoch, Schlegeis und Geiseljoch

Der zweite Tag fängt ohne Aufwärmen an: Taschen ans Rad, Flaschen gefüllt, und schon geht es bergauf zum Pfitscherjoch auf 2246 Metern, dem zweiten Highlight der Tour. Von einem Gravelparadies ins nächste.

Gepackte Bikepacking-Taschen und zwei Trinkflaschen an einer Steinmauer Blick vom Sattel auf Lenker, Radcomputer und Gravelweg

Und was für eine Auffahrt! Zwischen Felsen und steilen Gipfeln schraubt sich die Straße nach oben, und von dieser Seite ist sie komplett fahrbar. Einziger Wermutstropfen: Auf den ersten Kilometern sind überraschend viele Autos unterwegs. Wenn du kannst, steh früh auf oder fahr unter der Woche.

Straße zum Pfitscherjoch zwischen Felsen und steilen Gipfeln

Oben am Pfitscherjochhaus sind die Wanderer unterwegs, und ein Stück weiter mustert mich ein neugieriges Kalb aus dem hohen Gras.

Das Pfitscherjochhaus auf der Passhöhe, davor ein Gravelweg mit Wanderern Neugieriges braunes Kalb im hohen Gras

Auf der anderen Seite, Richtung Zillertal, ist erst einmal Schluss mit Fahren: Hier heißt es Rad schultern und tragen. Selbst mit dem Mountainbike wäre das nicht durchgehend fahrbar. Also nimm dir Zeit und schau dir die Zillertaler Berge in Ruhe an – die Aussicht ist es wert.

Gravelbike an einer Holzbank mit Blick auf die Zillertaler Berge

Ein kleiner, flacher Schlenker führt mich zum Schlegeisblick, so weit man mit dem Rad eben darf. Unbedingt machen! Der Schlegeisspeicher leuchtet türkis, im Vordergrund blühen die Weidenröschen – einer dieser Momente, in denen du einfach stehen bleibst und schaust.

Türkisfarbener Schlegeisspeicher, im Vordergrund Weidenröschen

Danach rollst du hinunter ins Zillertal. Achtung: Wenn du ins Tuxertal weiterwillst, nimm unbedingt den Abzweig über Dornau. Ich verpasse ihn und merke es erst, als es zu spät ist – lern aus meinem Fehler.

Durchs Tal wird es dann zäh. Ich habe viel zu wenig gegessen, und jeder Meter fühlt sich doppelt so lang an. Die Rettung ist eine Tankstelle: einmal ordentlich nachtanken, und ich bin wieder voll da.

Durchs Tuxertal geht es hinauf bis Vorderlanersbach, und dort startet der letzte große Anstieg des Tages und das dritte Highlight: die Route 424 zum Geiseljoch auf 2292 Metern. Erst Asphalt, dann Gravel, und dann vor allem Ruhe. Niemand ist hier unterwegs, wirklich niemand. Kehre um Kehre schraubst du dich durch grüne Almwiesen nach oben, nur du, dein Rad und die Berge. Ganz geschenkt ist das nicht: Einige Stücke sind so steil, dass ich doch wieder schiebe. Genießen kann ich den Anstieg trotzdem.

Gravelserpentinen durch grüne Almwiesen auf dem Weg zum Geiseljoch Ruhige Gravelstraße zwischen grünen Bergflanken

Vom Joch sind es nur noch wenige Kilometer bergab zur Weidener Hütte, einer DAV-Hütte auf 1.799 Metern. Gebucht habe ich ein Bett im Mehrbettzimmer – und ich habe Glück: Außer mir ist niemand da, das Zimmer gehört ganz mir. Nach 70 Kilometern und 2.240 Höhenmetern genau das, was ich brauche. Zwei epische Tage liegen hinter mir.

Schild der Weidener Hütte (Nafing), 1799 m, DAV Sektion Weiden Schlichtes Zimmer mit zwei Holzbetten auf der Weidener Hütte

Tag 3: Im Regen zum Achensee

Am nächsten Morgen weckt mich der Regen, und meine Beine sind richtig müde. Nebel hängt über den Bergen, die Wolken sitzen tief, und mein erster Gedanke ist: Oh nein – warum mache ich so etwas eigentlich immer? Aber auf einer mehrtägigen Tour gibt es kein Zurück. Du musst einfach weiter, erst recht, wenn du auf einer Hütte mitten in den Bergen aufwachst. Also Regenjacke an, Helm auf und los.

Nebel und tief hängende Wolken am Morgen über den Bergen Carla in Regenjacke und rotem Helm auf dem Gravelbike

Die Abfahrt ins Inntal beginnt auf Gravel und geht dann in Asphalt über. Der Boden ist nass, von den Reifen spritzt das Wasser hoch, und von oben kommt immer noch mehr nach. Zu allem Überfluss verfahre ich mich auch noch, und unten bin ich komplett durchnässt. In Jenbach gibt es eine Kaffeepause, bevor ich mich auf den Weg am Achensee entlang mache, der heute grau und still unter den Wolken liegt.

Der Achensee unter grauen Wolken

Den letzten Gravel-Umweg lasse ich heute aus und fahre so direkt wie möglich zum Bahnhof nach Lenggries. Dort endet für mich das Gravel Getaway. Nach Grenzkamm, zwei Gravelpässen und einem nassen dritten Tag bin ich ziemlich erschöpft – und richtig glücklich. Den Rückweg übernimmt ganz entspannt der Zug.

Gut zu wissen

  • Anreise: mit dem Flixbus nach Innsbruck, zurück mit dem Zug ab Lenggries.
  • Unterkünfte: Gasthof Stein im Pfitschertal und die Weidener Hütte (DAV) in den Tuxer Alpen.
  • Grenzkamm: Nach der Sattelbergalm wird es sehr steil. Plane ein paar Schiebepassagen ein.
  • Abfahrt ins Zillertal: Rechne mit Tragepassagen.
  • Ins Tuxertal: Nimm den Abzweig über Dornau – der GPX-Track folgt schon der korrigierten Strecke.

Etappen & Unterkünfte

  1. Etappe 1

    Innsbruck → Pfitschertal

    102 km · 2.620 hm

    • Asphalt 72 %
    • Gravel 27 %
    • Unbekannt 1 %

    Gasthof Stein

    Gasthof · Stein im Pfitschertal

    Rad in der Garage. Einfache Unterkunft, nette Gastgeber.

  2. Etappe 2

    Pfitschertal → Weidener Hütte

    70 km · 2.240 hm

    • Asphalt 46 %
    • Gravel 49 %
    • Naturweg & Trail 3 %
    • Unbekannt 2 %

    Weidener Hütte (DAV)

    Hütte · Tuxer Alpen

  3. Etappe 3

    Weidener Hütte → Lenggries

    86 km · 590 hm

    • Asphalt 79 %
    • Gravel 20 %
    • Unbekannt 1 %

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